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ND24.11.06 Gebete statt Punk
Linkes Kulturzentrum in Kopenhagen vor dem Aus

Von Peter Nowak

Zwei junge Leute mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzenpullovern übermalen eifrig einige Graffitis an den Häuserwänden. »Das waren die Spuren vom Konzert am letzten Wochenende«, sagt einer der beiden. Sie kommen vom Ungdomshuset, Kopenhagens letztem besetzten Jugend- und Kulturzentrum.
Malaktionen nach Konzerten gehören hier am Rande der Innenstadt der dänischen Metropole ebenso zur Routine wie schriftliche Ankündigungen an die Nachbarschaft, dass es bei einer Veranstaltung etwas lauter werden könnte. Auf gute Kontakte mit den Anwohnern legt man nämlich großen Wert. In dem multikulturell geprägten Stadtteil hat das Kulturprojekt viel Unterstützung.
Die haben die Besetzer zur Zeit auch dringend nötig. Denn das Hausprojekt muss mit einer baldigen Räumung rechnen. Bereits vor vier Jahren hatte die Stadt Kopenhagen das Haus an eine fundamentalistisch-christliche Gruppe verkauft. Kürzlich wurde diese nach längerem juristischen Streit als Eigentümerin bestätigt.
Die Betreiber des Kulturzentrums werfen der Stadt nun Wortbruch vor. Kopenhagen hatte linken Jugendlichen das Haus 1982 zur Nutzung überlassen. Nach einem Brand im Jahr 1996 wollten die Behörden das Haus dann jedoch für unbewohnbar erklären. Nur durch die Initiative der dort beheimateten Projekte und zahlreicher Unterstützer wurde das Haus wieder nutzbar.
Auch danach gab es immer wieder Versuche, das Projekt, das sich zu einem Anziehungspunkt für linke Jugendliche auch über Dänemark hinaus entwickelte, zu schließen. Sogar die rechtskonservative dänische Regierung hat klargemacht, dass ihr das linke Zentrum in Kopenhagens Innenstadt ein Dorn im Auge ist.
Doch die Betreiber des Haus- und Kulturprojekts wollen nicht kleinbeigeben. Im Dezember sind Aktionstage zum Erhalt des Projektes geplant, zu denen auch in den dänischen Nachbarländern mobilisiert wird. Neben Workshops und Konzerten soll es dann auch eine große Demonstration in Kopenhagens Innenstadt geben. Auch aus der Bundesrepublik haben linke Gruppen bereits ihre Teilnahme angekündigt.

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