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 Taz vom 27.3.06Vereint gegen den Weltwirtschaftsgipfel
Linke planen Aktionen zur Konferenz der G-8-Regierungen, die ins Ostseebad
Heiligendamm kommen
ROSTOCK taz Die Lokalpresse in Rostock glaubte schon im Voraus zu wissen,
wer sich am Wochenende in der Hansestadt treffen sollte. Nicht genug, dass
angeblich Chaoten dort Aktionen gegen das für den Frühsommer 2007 geplante
G-8-Treffen in Heiligendamm planen wollten. Mit der Linkspartei würde sogar
ein Teil der Regierung von Mecklenburg-Vorpommern mit ihnen gemeinsame Sache
machen.
Beim so genannten Weltwirtschaftsgipfel im Ostseebad Heiligendamm treffen
sich 2007 die Regierungen der alten Industriestaaten, darunter der USA,
Russlands und Deutschlands. China, Indien und Brasilien gehören nicht zu dem
exklusiven Klub. Bei den alljährlichen G-8-Treffen versuchen Kritiker, die
Ungerechtigkeit der Globalisierung zu thematisieren.
Statt der angekündigten Chaoten kamen jedoch rund 300 VertreterInnen von
christlichen Gruppen, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen,
Delegierte der Gewerkschaftsjugend und Angehörige von Linkspartei und
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit ins Rostocker
Goethe-Gymnasium. Es ging um das Abstecken eines Protestrahmens, in dem sich
sowohl die VertreterInnen eines Konzepts von Aufklärung und die
BefürworterInnen direkter Aktionen wie Blockaden wieder finden können.
So bereitet das NGO-Netzwerk "Gerechtigkeit jetzt" eine Kampagne unter dem
Titel "WTO - weltweit taube Ohren" vor, die vor allem umwelt- und
entwicklungspolitische Themen zum Mittelpunkt haben soll. Die
Gewerkschaftsjugend will unter dem Motto "Her mit dem schönen Leben" im
Vorfeld des G-8-Treffens vor allem soziale Themen ansprechen.
MigrantInnen- und Antirassismusgruppen präsentierten einen Aufruf für eine
große Demonstration für Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte. Mit Tribunalen
und einem Gegengipfel soll die Kritik an der Politik der G-8-Staaten
popularisiert werden. Die Interventionistische Linke, ein Zusammenschluss
autonomer, antifaschistischer und globalisierungskritischer Gruppen, will
mit Blockaden gegen das G-8-Treffen vorgehen. Von einer neuen innerlinken
Diskussionskultur, die Hoffnung für die weitere Arbeit mache, sprach
Attac-Sprecher Peter Wahl. Allerdings wiesen zahlreiche Flugblätter und
Aufrufe auf weitere linke Bündnisse für die G8-Proteste hin. So treffen sich
im Dissent-Netzwerk zusammengeschlossene anarchistische und autonome Gruppen
am kommenden Wochenende in Leipzig zu ihren separaten Koordinierungstreffen.
In Rostock wurde allerdings die Bereitschaft zur Zusammenarbeit deutlich.
PETER NOWAK