[Index] [Nowak] [2006]

ND 20.12.06 Rat und Widerstand
„Millionen Menschen in Deutschland leben am Rande der Armut“. Solche
und ähnliche Meldungen fanden sich Anfang Dezember in vielen Medien.
Gerade war eine Studie erschienen, nach der 13 Prozent aller Menschen in
Deutschland armutsgefährdet sind. Was sagen die nüchternen Prozentzahlen in der Praxis? Beispielsweise, dass viele Menschen im Winter kalten Wohnungen sitzen, weil sie sich die hohen Heizkosten nicht leisten können oder weil Gas auch der Strom schon abgestellt sind.
Genau hier setzt eine Broschüre unter dem „Licht und Heizung bleiben
an – auch bei wenig Geld“ an. Sie wurde von Aktivistin der
Erwerbslosenbewegung Anne Allex, den Energieexperten Götz Renger und Anton Schweiger herausgegeben.
Im ersten Teil widmet sich Anne Allex dem Problem steigender
Energiekosten bei sinkenden Einkommen. Nach der Einführung von Hartz IV hat sich die noch verschärft, wie sie nachweist. Seitdem die Stromkosten aus der Regelleistung bestritten werden müssen, ist die Zahl der Stromabschaltungen angestiegen. In Berlin wurden im Jahr 2000 jährlich knapp 20000 Stromsperrungen durchgeführt. 4 Jahre später war die Zahl auf 25000 gestiegen.
Anton Schwaiger stellt anschaulich da, was das für die Betroffenen
bedeuten kann. „Eine krebskranke Frau, die regelmäßig warme Sitzbäder
nehmen muss, lebte mit ihren beiden Söhnen bereits fünf Monate ohne Strom und somit ohne warmes Wasser. Die Suppe wärmt sie auf einem Tablett mit Teelichtern“.
Die Broschüre gibt Tipps zum Energiesparen und informiert ausführlich,
wie man sich gegen überhöhe Strom- Heizkosten wehren kann. Das fängt
schon damit an, dass die unterschiedlichen Posten auf den Strom-
Gasrechnungen genau erklärt werden. Des weiteren wird darüber informiert, was unter dem Begriff „angemessene Betriebskosten“ juristisch zu verstehen ist. Ein Kapitel widmet sich den teilweise erfolgreichen Widerstand gegen Gas- und Strompreiserhöhungen. Rund eine halbe Million Menschen haben sich beispielsweise in Initiativen gegen zu hohe Gaspreise engagiert. Sie haben dabei das Gesetz auf ihrer Seite, so Anton Schweiger. „Die rechtliche Grundlage des erfolgreichen Verbraucherwiderstandes ist der § 135 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Denn einseitige, unangemessene Preiserhöhungen sind verboten“. Im Folgenden wird beschrieben, wie der Gas- oder Stromkunde vorgehen muss, um eine Sperrung der Energieleistungen zu verhindern.
Mit Befremden werden vielleicht manche "Die Tipps zum Aufwärmen“
lesen, die Anne Allex in einem eigenen Kapitel aufgelistet hat. Die richten
sich an Menschen, die kein Geld für eine warme Wohnung haben oder denen schon Strom und Gas gekappt wurden. Dort werden zahlreiche öffentliche Orte
genannt, in denen sie sich ohne viel Geld im Warmen aufhalten können, z.B.
Bibliotheken oder Hallen großer Einkaufszentren. „Es kommen härtere
Zeiten“, fällt einem beim Lesen spontan ein.
Die Broschüre ist insgesamt sehr empfehlenswert, obwohl einige Fotos
sicher zur Auflockerung der sehr texthaltigen Broschüre sicher beigetragen
hätte.
Peter Nowak
Allex,Anne, Renger Götz, Schweiger Anton, Licht und Heizung
bleiben an – auch bei wenig Geld. Berlin 2006, 74 Seiten, 4, 50 (zuzüglich
Porto,
Die Broschüre kann bestellt werden bei Allex Anne, Straße der Pariser
Kommune 43, D-102423 Berlin, oder per Email an: info@anne-allex.de