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Blick nach Rechts09/2006Rechte "Säuberung"
Fremdenfeindlicher Mord in St. Petersburg.
Die rassistische Gewalt in St. Petersburg hat ein neues Todesopfer
gefordert. Am 7. April wurde der senegalesische Student Samba Lampsar Sall
erschossen, als er einen Nachtclub im Zentrum der westrussischen Stadt
verließ. Die Vorsitzende des Vereins Afrikanische Einheit Desiré Defait
erklärte gegenüber den Medien, dass die Schüsse von hinten auf eine Gruppe
von fünf oder sechs afrikanische Studierende abgegeben worden waren. Nach
Angaben der russischen Behörden wurde mittlerweile die Tatwaffe gefunden.
Sie war mit einem aufgemalten Hakenkreuz versehen.
Damit setzt sich die Welle der Gewalt fort, die St. Petersburg den
zweifelhaften Beinamen "Hauptstadt der Fremdenfeindlichkeit" einbrachte. Am
24. Dezember wurde der 28-jährige Kameruner Kamhen Leon durch Messerstiche
in den Hals getötet. Ende März war ein 9-jähriges afrikanisches Mädchen
beschimpft und schwer verletzt worden. Afrikanische Studierende und
russische Menschenrechtler erheben auch schwere Kritik gegen die Behörden
der Stadt. Die würden das Problem klein reden und gar den Opfern die Schuld
geben, lauten die Vorwürfe. Tatsächlich erklärte ein konservatives Mitglied
der Stadtverwaltung, nur böswillige Menschenrechtler behaupteten, dass die
rassistische Gewalt zunehme und sprach von einem Konflikt zwischen
russischen und afrikanischen Jugendlichen. Der österreichische "Kurier"
berichtete, dass die Justiz selbst schwerste Körperverletzung von Afrikanern
als Rowdytum bezeichnet.
Derweil rufen Neonazigruppen offen zu Gewalttaten gegen Afrikaner und auch
gegen Andersdenkende auf. Am 13. November 2005 wurde der 20-jährige aktive
Nazigegner Timur Katscharawa mit Messern tödlich verletzt (BnR berichtete).
Die rechtsextreme Freiheitspartei gibt auf ihrer Internetseite Anleitungen
zum "Verprügeln von Negern" und der "Säuberung" ihrer Stadt. "Das
Reinemachen geht weiter", lautete der Kommentar zum Mord an Samba Lampsar
Sall. Der Chef der Freiheitspartei Juri Beljajew, ein bekennender Antisemit,
war früher Polizeichef von St. Petersburg.
Peter Nowak