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ND22.09.06 Vier Prozent, und für Frauen noch mehr
Schweizer demonstrieren morgen für mehr Lohn
Von Peter Nowak
»Löhne rauf – und Lohngerechtigkeit jetzt«, heißt es morgen in der Schweizer Hauptstadt Bern. An diesem Tag ruft der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) zu einer landesweiten Demonstration auf: »Vier Prozent für alle und für die Frauen mehr«.
Die Konjunktur in der Schweiz hat kräftig angezogen, die Auftragslage der Unternehmen ist gut. Davon hätten aber bisher nur die Unternehmer profitiert. Laut SGB stagnieren dagegen untere und mittlere Löhne seit fast 15 Jahren. »Nach Abzug der obligatorischen Abgaben, besonders der steigenden Krankenkassenprämien, bleibt den Leuten heute weniger im Portemonnaie als 1990.«
In dieser Situation hat sich der SGB erstmals zu einer gemeinsamen Lohnkampagne entschlossen. Normalerweise liegen Tarifverhandlungen auch in der Schweiz in Alleinverantwortung der Einzelgewerkschaften. Der SGB mobilisiert selten landesweit – zuletzt im Jahr 2003, als der Verband mit einer Großkundgebung zur Rücknahme einer umstrittenen Rentenkürzung beitragen konnte.
Wichtig ist dem SGB dabei die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. »Nach 25 Jahren Verfassungsgebot und zehn Jahren Gleichheitsgesetz verdienen die Frauen immer noch 20 Prozent weniger als die Männer«, heißt es im Aufruf. Mit reger Teilnahme sei zu rechnen, erklären Schweizer Gewerkschafter. Mit vielen Bussen und Sonderzügen sollen am Samstag die Gewerkschafter nach Bern kommen. »Wir sind jeden Tag auf den Baustellen und vor den Betrieben. Die Stimmung unter den Leuten ist gut«, erklärt der Züricher Gewerkschafter Remo Schädler.
Vor allem in linken Gewerkschaftskreisen wird schon über die Zeit nach der Demonstration diskutiert. So wird in dem von der Partei der Arbeit (PdA) herausgegebenen »Vorwärts« gefordert, die Mobilisierung lediglich als einen »Startschuss« anzusehen.