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ND01.09.06 Mobiler Gipfel der Bewegung
Europatreffen des Netzwerkes Peoples Globale Action
Von Peter Nowak
Widerstand in Bewegung – dieser Slogan wird in Frankreich zur Zeit konkret umgesetzt. Noch bis Anfang September findet dort das Europatreffen des globalisierungskritischen Netzwerkes Peoples Globale Action (PGA) statt. Die Aktivisten orientieren sich an der zapatistischen Bewegung. Eine widerständische Haltung zu staatlichen Institutionen sowie eine Absage an Hierarchien gehören zu den Grundlagen des Netzwerkes.
Mit der dezentralen Organisationsweise hat man bei dem diesjährigen Treffen schon mal angefangen. Die Aktivitäten sind nämlich auf mehrere französische Städte verteilt. Begonnen haben sie in einem selbstverwalteten Kollektiv in der Nähe des Örtchens Frayssinous im Süden Frankreichs. Die Protestkarawane wird unter anderem nach Bellevue, Toulouse und Lyon in Dijon Station machen. Dort sollen die Protesttage dann mit einem Kongress beendet werden. »Uns geht es darum, auf unseren Treffen die Art unseres Widerstandes schon ein Stück weit zu leben«, erklärte eine PGA-Aktivistin den häufigen Ortswechsel.
Ein allzu trockener Kongress würde auch nicht zum Selbstverständnis einer Bewegung passen, die praktische Aktionen vor endlose Theoriediskussionen setzt. In der Vergangenheit gab es europäische PGA-Treffen im italienischen Mailand, im holländischen Leiden und vor zwei Jahren in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Die Themenpalette der in Frankreich angebotenen Arbeits- und Mitmachkreise ist breit. Umweltschutz und Kampf gegen unterschiedliche Unterdrückungsformen stehen ebenso auf dem Programm wie die immer wieder gestellte Frage nach der Durchbrechung der politischen Isolation.
Viele Aktivisten sehen die Chance, gegen den G 8-Gipfel im Juni 2007 im Ostseebad Heiligendamm eine breite Gegenbewegung auf die Beine zu stellen. Deshalb wird die europaweite Vernetzung des Protestes einen zentralen Stellenwert auf dem PGA-Treffen in diesem Jahr einnehmen. Schließlich gehören Gipfelproteste zu den nach Außen wahrnehmbaren Aktivitäten des linken Netzwerkes.
Allerdings wollen die Aktivisten nicht darauf reduziert werden. So beschäftigen sich viele Arbeitskreise auch mit konkreten Alternativprojekten, vor allem im Bereich von Schule und Erziehung. Eine wichtige Rolle hat dabei auch die Beschäftigung mit alternativen Medienstrukturen. Nicht zufällig entstand das Internetprojekt Indymedia parallel zu den beginnenden Gipfelprotesten der Jahrtausendwende.
Doch gerade auf diesem Gebiet hat die mehr als fünfjährige Praxis zu mancher Ernüchterung geführt. Nach den Massenprotesten in Genua 2001 begannen auch für das Netzwerk PGA die Mühen der Ebene. Das Europatreffen in Frankreich ist dabei so etwas wie ein kleiner linker Hügel.
http://pgaconference.org/en/2006