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 blick nach rechts 8/2006Verteidiger des Abendlandes
Neonazis schüren Stimmung gegen Moschee.
Der Stadtteil Pankow im Nordosten Berlins ist schon länger zum
Rekrutierungsfeld verschiedener rechter Gruppen geworden. In letzter Zeit
versucht nun auch die NPD in dem Stadtteil verstärkt zu mobilisieren. Seit
die moslemische Ahmaddiyya-Gemeinde die Pläne zum Bau einer Moschee in
Pankow bekannt gegeben hat, haben die Rechtsextremisten ein neues
Betätigungsfeld gefunden. Aufkleber mit dem Motto "Nein zur Moschee" werden
von der Partei verbreitet.
Die diffusen Ängste vor einer "Überfremdung des Stadtteils", die vor allem
vom regionalen NPD-Vorsitzenden und Aktivisten der Vereinigten Nationalisten
Nordost (VNNO) Jörg Hähnel geschürt werden, stoßen bei Teilen der Bewohner
auf offene Ohren. So kam es bei einer Bürgeranhörung zum Moscheebau am 30.
März zu Pöbeleien gegen die Angehörigen der moslemischen Gemeinde. Weil ihre
Sicherheit nicht gewährleistet war, musste die Polizei die Versammlung
vorzeitig beenden. Die Gemeindemitglieder wurden vor der wütenden "Haut ab,
Haut ab" skandierenden Menge in Sicherheit gebracht. "Da herrschte
Lynchstimmung!", zitierten die Medien Annabelle Wolf von den Jusos-Nordost.
Zahlreiche rechtsextreme Aktivisten von VNNO und NPD, darunter Jörg Hähnel,
waren anwesend und konnten sich wie ein Fisch im Wasser fühlen. Allerdings
blieb die Anzahl der Teilnehmer der von der NPD am 1. April organisierten
Demonstration mit knapp 100 Menschen weit hinter ihren Erwartungen.
Hauptredner Hähnel gerierte sich als abendländischer Kulturkämpfer. "Der
Osten wird sich nicht so entwickeln wie der Westen, wo Lehrer und Polizisten
vor den Migranten kapitulieren", so der rechtsextreme Multifunktionär. Die
Angriffe der Türken auf Europa seien 1529 und 1683 noch erfolgreich
zurückgeschlagen worden. Doch ihr derzeitiger Angriff sei bisher der
schwerste: "Heute Kreuzberg! Morgen die ganze Welt" und "Mehmet, Ali,
Mustafa, geht zurück nach Ankara!", lauteten die Parolen. Mittlerweile haben
die Rechtsextremisten eine Unterschriftenaktion gegen den Bau des
islamischen Gebetshauses angekündigt.
Peter Nowak