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telepolis vom 02.11.06"Server nicht gefunden"
Peter Nowak

Der Konzern Bayer konnte durch Druck auf einen Provider kurzfristig
eine Website von Greenpeace sperren lassen, was für die
Umweltschutzorganisation Anlass für eine erneute Kampagne ist
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt sich empört. Hatte doch
der Bayer-Konzern (1) am 30.Oktober die Homepage des
Greenpeace-Einkaufsnetzes durch Druck auf den Provider kurzzeitig
sperren (2) können. Der Vorwurf war, dass von der Greenpaece-Website
Spam verschickt werde. Zuvor haben nach Angabe von Greenpeace "hunderte
Marktaktivisten" Protestmails über www.einkaufsnetz.org (3)
verschickt, in denen der Bayer-Konzern zum Ausstieg aus dem Geschäft
mit Gen-Reis aufgefordert worden war.
Bayer habe zuvor bereits die Agentur, die die Website technisch
betreut, erfolglos zur Sperrung der Seite aufgefordert. Die aber habe
deutlich gemacht, dass es sich um Proteste handeln würde, und weigerte
sich, etwas zu unternehmen. Sehr konsequent war Bayer bei dem Versuch,
die Seite durch den Provider sperren zu lassen, wohl nicht: "Am
nächsten Morgen lief die Seite wieder, nachdem sich sowohl Greenpeace
als auch die Agentur beim Provider beschwert hatten. Auch die
Protest-Mail kann wieder aufgerufen werden."
So war der Sperrungsversuch wohl unfreiwillige Publicity für
Greenpeace. Um die einst für ihre spektakulären
Öffentlichkeitsaktionen bekannte Organisation war es in der letzten
Zeit still geworden. Im September 2006 gelang ihr mit der Entdeckung
von Genreis in deutschen Reisprodukten wieder ein öffentlich beachteter
Coup ( Der Reis, den keiner wollte (4)). Nachdem auch in europäischen
und außereuropäischen Ländern weiterer Genreis entdeckt wurde, hatte
Greenpeace endlich wieder ein kampagnenfähiges Thema (5).
Auch noch aus einem anderen Grunde, dürfte Greenpeace die Reaktion von
Bayer gar nicht so Unrecht sein. Schließlich sind dadurch nicht wenige
Menschen erst auf die Existenz der schon 1997 gegründeten
Greenpeace-Verbraucherorganisation Einkaufsnetz aufmerksam geworden.
Mit dem vielbeschworenen Konsumenten- oder Marktaktivismus war es
bisher so weit nicht her. Im Gegenteil: die Seite war ein Flop und
sollte geschlossen werden (6): "Greenpeace ist mit gut 550.000
Förderern die größte Umweltorganisation in Deutschland. Dem
Einkaufsnetz schlossen sich jedoch nur knapp 50.000 Menschen an."
Damit blieb man weit unter den erwarteten Zahlen und damit im Minus.
Nach Angaben der Tageszeitung gab die Organisation knapp 400.000 Euro
für Sachkosten für das Einkaufsnetz aus. Greenpeace kommentierte diese
Zahlen nicht.
Die geringe Resonanz auf das Einkaufsnetz wurde auch so interpretiert,
dass Menschen, die waghalsige Kletteraktionen von
Greenpeace-Mitgliedern auf Bohrinseln und Fabrikschornsteinen
applaudierten, noch lange nicht zu einen Mausklick für saubere Umwelt
oder gesündere Nahrung bereit waren. "Darum denken die
Greenpeace-Mitarbeiter in der Hamburger Zentrale nun schon seit einiger
Zeit darüber nach, wie sie wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen",
schrieb die Tageszeitung vor knapp einer Woche. Ob das im Hause Bayer
wohl gelesen wurde?

LINKS

(1)
http://www.bayer.de/page18.htm
(2)
http://de.einkaufsnetz.org/gentechnik/lebensmittel/23490.html?PHPSESSID=
054b3d70ff2f215251331b7ece1ccf5c
(3)
http://www.einkaufsnetz.org
(4) http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23538/1.html
(5)
http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/lebensmittel/artikel/chronolo
gie_des_gen_reis_skandals/
(6)
http://www.taz.de/pt/2006/10/27/a0117.1/text