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ND10.02.06 »Haben Sie keine Empathie mit Israel?« Mit der Debatte um einen drohenden Irankrieg tauchen alte linke Frontstellungen wieder auf Von Peter Nowak Wenn es um die Ablehnung von Kriegen geht, ist Christian Ströbele stets an vorderster Front dabei. Auch am letzten Sonntag in der Talkrunde bei Sabine Christiansen gab der grüne Friedenspromi den Ankläger angeblicher Kriegspläne der USA. Da mochte der Regierungsberater Richard Perle beteuern, dass sich die Regierung der USA zusammen mit den EU-Staaten um eine Verhandlungslösung mit dem Iran bemühe. Für Ströbele steht fest, dass die USA schon seit Jahren einen Angriff auf Iran planen und sogar den Einsatz von Atomwaffen einkalkulieren. Es war dann allerdings nicht Perle, der Ströbele kurz sprachlos machte - sondern der Holocaustüberlebende Ralph Giordano. Er hielt dem als links bezeichneten Grünen entgegen: »Für Sie sind immer nur die USA Schuld. Vom Iran reden Sie gar nicht. Haben Sie keine Empathie mit Israel? Glauben Sie, der Nachfolgestaat der Auschwitzüberlebenden werde zulassen, dass ein Regime, dessen Präsident Israel von der Landkarte streichen will, in den Besitz von Waffen kommt, die ihm das ermöglichen würde.« Ob sich Ströbele in diesem Augenblick 15 Jahre zurück erinnerte? Damals trat der Politiker von seinen Posten als einer der beiden Grünen Vorstandssprecher zurück, nachdem er in einem Interview mit dem Publizisten Henryk M. Broder die israelische Politik dafür verantwortlich machte, dass das Saddam-Regime im Januar 1991 das israelische Territorium mit Scud-Raketen attackierte. Das Geplänkel in der Talkrunde am letzten Sonntag war kein Zufall. Je mehr sich die Situation um den Iran zuspitzt, desto größer wird der Druck auf Linksliberale und Linke - und desto wahrscheinlicher die Spaltung in »Bellizisten« und »Pazifisten«. Begonnen hat die Auseinandersetzung schon Anfang der 90er Jahre im Umfeld der Hamburger Monatszeitschrift »Konkret«. Autoren wie Wolfgang Pohrt und Eike Geisel unterstützten im Winter 1991 den Angriff der USA auf Irak, weil Israel durch dessen Waffenpotenzial bedroht sei. »Konkret«-Herausgeber Hermann L. Gremliza kam mit einer differenzierteren Argumentation zum gleichen Schluss: Wenn die USA aus falschen Gründen das richtige machen, wolle er sie in diesem Fall unterstützen. Diese Debatte hatte sich vor dem Sturz des Saddam-Regimes im Jahr 2003 zu einen handfesten Grabenkrieg ausgeweitet. Eine später als antideutsch firmierende Strömung erhoffte sich vom Sturz des Saddam-Regimes die Herstellung einer bürgerlichen Gesellschaft und damit die Bedingungen für eine emanzipatorische Entwicklung. Die Mehrheit der Friedensbewegung und viele linke Gruppen wiederum lehnten den Irak-Krieg unter Verweis auf dessen imperialistische Qualität strikt ab. Zum Teil wurden selbst Bombenattentate auf irakische Polizeirekruten zum »legitimen Widerstand« der Iraker, abgeleitet aus einem »Selbstbestimmungsrecht der Völker«. Nun scheinen sich diese Frontstellungen zu wiederholen. Dazu haben die Wahl des Fundamentalisten Ahmadinedschad zum iranischen Präsident und dessen antiisraelischen Ausfälle beigetragen. Schon am 16. Dezember eröffnete der Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, der Grüne Micha Brumlik, die Debatte in der Berliner »taz« mit einem Paukenschlag: »So muss sich die kritische Öffentlichkeit im Hinblick auf die künftige internationale Krise damit vertraut machen, dass dem Staat Israel aufgrund der iranischen Ankündigungen und Pläne möglicherweise ein nicht nur moralisches, sondern völkerrechtlich gestütztes Recht auf (präventive) Selbstverteidigung in Auslegung von § 51 der UN-Charta zukommt. Deutschland jedenfalls hat ein derartiges Recht im Fall des nach dem 11. 9. 2001 von den USA geführten Krieges gegen Afghanistan bejaht, obwohl bis heute kein belastbarer Beweis dafür vorliegt, dass der Anschlag auf die Twin Towers von der Talibanregierung angedroht, vorbereitet oder unterstützt wurde«, so Brumlik. Und: »Dabei ist das dem bedrohten israelischen Staat möglicherweise zukommende Recht auf präventive Selbstverteidigung an das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gebunden: gezielte Schläge gegen in Bau befindliche Atomanlagen ohne zivile Opfer würden dem jedoch vollkommen genügen«, schreibt Brumlik, der noch vor drei Jahren zu den entschiedenen Gegner des Krieges gegen Irak gehörte. Die am vergangenen Sonntag außerplanmäßig einberufene Aktionskonferenz der Friedensbewegung in Kassel stellte ein Junktim zwischen der Bedrohung des Iran und dessen Drohungen gegen Israel her. In einer Resolution fordern die organisierten Kriegsgegner die Einstellung sämtlicher Kriegsvorbereitungen gegen den Iran. Im Gegenzug müsse Teheran »alle direkten oder indirekten Drohungen gegen Israel beenden«. |