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Telepolis vom 28.04.06 Hartz V in Vorbereitung? Peter Nowak Erwerbslosengruppen sind durch neue Gesetzesinitiativen der großen Koalition alarmiert Kurz vor dem 1. Mai gab es gleich an mehreren wirtschaftspolitischen Fronten für die Bundesregierung gute Nachrichten. Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg meldete (1), dass im April die Zahl der Arbeitslosen wieder leicht zurückgegangen sei. Knapp 4,8 Millionen Menschen seien erwerbslos gewesen. Gleichzeitig prognostizierten die sechs führenden Wirtschaftsinstitute einen größeren Wirtschaftsaufschwung als bisher angenommen. Bundeswirtschaftsminister Glos sprach gar von einer spürbaren Belebung der Konjunktur. Doch längst nicht alle blicken so optimistisch in die Zukunft. Viele Erwerbslose befürchten in Zukunft sogar noch mehr Druck und weitere Einschränkungen. Der Grund ihrer Besorgnis trägt den unverfänglichen Namen Optimierungsgesetz (2). Der Entwurf der großen Koalition soll in wenigen Wochen im Kabinett verabschiedet werden und schon im Herbst 2006 in Kraft treten. Die unterschiedlichen Gruppierungen und Initiativen, die sich weiterhin auf diesem Gebiet engagieren, sind durch die jüngsten Pläne der großen Koalition alarmiert. Sie sprechen schon von Hartz V. Damit wollen sie deutlich machen, dass sie in dem Gesetzesentwurf eine Fortsetzung der Verschärfungen und Kürzungen der Agenda 2010 sehen. Fördern und Fordern Nicht nur Kritiker sehen in der Prüfung der Arbeitswilligkeit von Hartz IV-Empfängern ein Hauptziel des Gesetzes. Im Gesetzesentwurf wird die Überprüfung der Arbeitsbereitschaft von Hartz-IV-Empfängern als eines der Ziele benannt. Auch die Kommunen bestreiten nicht, dass mit dem Gesetz der Druck auf die Erwerbslosen steigen (3) wird. Der Deutsche Städtetag unterstützt diese Initiative. Es gehe darum, das Prinzip des Förderns und Forderns konsequent umzusetzen, erklärte deren Präsident Gert Landsberg. Nur noch die wirklich bedürftigen dürften Unterstützung bekommen. Ziel müsse es sein, die Arbeitsagenturen zu befähigen, den Erwerbslosen möglichst sofort eine zumutbare Arbeit, eine Weiterbildung oder einen Ein-Euro-Job anzubieten. Wer das Angebot nicht akzeptiere oder eine Eingliederungsvereinbarung ablehnt, riskiert (4) eine sofortige Kürzung des Arbeitslosengeldes. Als unwillig gilt nach dieser Lesart jeder, der eigene Wünsche und Vorstellungen an seine Lohnarbeit anmeldet und einfordert. Die Definition der Zumutbarkeit einer angebotenen Arbeit oder Eingliederungsmaßnahme liegt schließlich ausschließlich bei den Arbeitsagenturen und ihren Fallmanagern. Vorbild für den verstärkten Druck sind nach Ansicht (5) der Beratungsstelle Tacheles Städte wie Mannheim, wo durch restriktive Maßnahmen innerhalb kurzer Zeit 550 junge Erwachsene aus der Statistik verdrängt wurden und keine Leistungen nach ALGII mehr bekommen. Vorgesehen ist etwa die Einrichtung eines "Außendienstes": --Die Träger der Grundsicherung sollen zur Bekämpfung von Leistungsmissbrauch einen Außendienst einrichten. Leistungsmissbrauch kann erfolgreich in erster Linie vor Ort, in den Arbeitsgemeinschaften und Optionskommunen bekämpft werden. Daher kommt den Arbeitsgemeinschaften und Optionskommunen eine besondere Verantwortung zu, ihre internen Prüfdienste und Außendienste so auszustatten, dass Verdachtsfälle auf Leistungsmissbrauch erkannt und beseitigt werden. Deshalb soll künftig ein Außendienst eingerichtet werden.-- Das Ziel des Gesetzes sind Einsparungen beim Arbeitslosengeld. Schließlich haben in den vergangenen Monaten vor allem die Kommunen über die steigenden Kosten durch die Hartz-Reformen geklagt. Dafür wurden aber nicht Mängel im Gesetz, sondern die Betroffenen selber verantwortlich gemacht. Noch unter der Ägide von Bundeskanzler Schröder und seinem Wirtschaftsminister Clement wurde der angebliche Missbrauch sozialer Leistungen medienwirksam lanciert und für die Defizite verantwortlich gemacht ( "Beihilfe zum Missbrauch sozialer Leistungen"? (6)). Sollten die Die Verschärfungen sind nur aufgrund des Abflauens der Anti-Hartz-Proteste möglich, lautet die Einschätzung der verbliebenen Aktivisten. Anders als in Frankreich, wo vor wenigen Wochen die Abschaffung des Kündigungsschutz für junge Lohnabhängige durch landesweite Proteste vorerst verhindert wurde ( Proteste gegen Aufhebung des Kündigungsschutzes (7), wurden in Deutschland Gesetze mit ähnlicher Stoßrichtung ohne große Diskussionen verabschiedet. Die Erfolgsmeldungen an der Wirtschaftsfront könnten in diesem Szenarien den Betroffenen eher zum Nachteil gereichen. Denn wenn die Wirtschaft wächst, müsste auch die Arbeitslosigkeit sinken, lautet eine verkürzte Allerweltsweißheit. Wer dann doch noch keinen Job hat, wird schnell selber dafür verantwortlich gemacht. Dabei geht die Anzahl der Lohnabhängigen nach Erhebungen (8) des Statistischen Bundesamtes weiter zurück und beträgt zur Zeit nur noch 39 %, 1991 waren es noch 44%. Eine wachsende Zahl von Menschen lebe von Rente, Erwerbslosenunterstützung oder aus Zuwendungen von Freunden und Verwandten. Die Zahl dürfte noch steigen, wenn das Optimierungsgesetz in Kraft getreten ist. Sollten die Maßnahmen in Sinne einer Kostendämpfung nicht greifen, hat die Regierung schon weitere Maßnahmen in der Schublade. So wird in den Unionsparteien über eine weitere Kürzung der Arbeitslosengeldes nachgedacht (9).
LINKS
(1) http://www.arbeitsagentur.de/vam/vamController/CMSConversation/anzeigeCo ntent?navId=219&category=presse_info&docId=103814&rqc=6&ls=false&ut=0 (2) http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2006/060315BMASVorgeseheneA enderungenImSGBIIOptimierungsgesetz.pdf´ (3) http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/deutschland/3 29323 (4) http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5442130,00.html (5) http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2004/Mannheimer_Jobcenter.h tml (6) http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21320/1.html (7) http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22235/1.html (8) http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p1830024.htm (9) http://www.ftd.de/politik/deutschland/66550.html |