[Index] [Nowak] [2006]

ND13.11.06Neues im Einkaufsnetz
Greenpeace-Service wird reorganisiert
Von Peter Nowak
Sie kletterten auf Fabrikschornsteine, enterten Ölplattformen oder seilten sich von Konzernzentralen ab. So kannte man die Umweltorganisation Greenpeace seit Jahren. Wo es früher mal den Aufruf zum Kaufboykott gab, soll jetzt System rein: 1997 gründete Greenpeace seinen Service »Einkaufsnetz«, vor allem mit dem Ziel, Konsumenten gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel in den Verkaufsregalen zu mobilisieren. Ein regelmäßiger Newsletter informierte per E.Mail über die aktuellen Kampagnen.
Diesen Newsletter wird es 2007 nicht mehr geben. Die grünennahe »Tageszeitung« interpretierte das schon als Einstellung des ganzen »Einkaufsnetzes«. Christoph Then, bei Greenpeace für Gentechnik, Landwirtschaft und Chemie zuständig, widerspricht: »Unsere Verbraucherarbeit ist erfolgreich, wir geben sie nicht auf.«.
Gegenüber ND sagte eine Sprecherin, dass man mit den Änderungen beim Einkaufsnetz keinesfalls auf einen Misserfolg in der bisherigen Arbeit reagiere. Mit einem Relaunch soll die Arbeit ausgebaut und verbreitert werden. So werde der Einkaufsnetz-Newsletter mit der Mitgliederzeitung Greenpeace-Nachrichten zusammengelegt. Der Kampf gegen genmanipulierte Produkte werde weiterhin einen hohen Stellenwert in der künftigen Arbeit haben. Doch auch die Auseinandersetzung um giftige Chemikalien und andere gesundheitsgefährdende Produkte soll stärker bekannt gemacht werden. Auch auf dem Elektro-Gerätemarkt will sich das Einkaufsnetz mit Verbrauchermacht für energiesparende Geräte stark machen
Ganz verzichten will man allerdings auf die alten spektakulären Methoden auch nicht. Auch in Zukunft werde es zu bestimmten Anlässen Kletter- und Abseilaktionen geben. Ein Greenpeace-Sprecher sieht hierin keinen Widerspruch, sondern eine Ergänzung zum Marktaktivismus. Schließlich kann man auch zu einem Energieanbieter ohne Atomstrom wechseln und sich trotzdem am Widerstand gegen den Castortransport nach Gorleben beteiligen.