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Blick nach Rechts 02/2006 Rechtsextremismus aus gewerkschaftlicher Sicht.
Dass Aktivitäten gegen Neonazis und rechte Gewalt nicht nur Aufgabenfeld von
engagierten Zivilgesellschaftern und Jugendlichen ist, will unter anderem
die Ausstellung "Neofaschismus in Deutschland" vermitteln, die bis 28.
Februar in der Berliner Mediengalerie zu sehen ist. Schon der Ort ist
Programm. Die Mediengalerie hat ihren Sitz im "Haus der deutschen
Buchdrucker", das in den 20er Jahren Sitz der traditionsreiche
Buchdruckergewerkschaft war. Als am 2. Mai 1933 die Nazis die
Gewerkschaftshäuser stürmten, wurde auch das Haus der Buchdrucker verwüstet,
die Einrichtung zerschlagen und viele Mitarbeiter verhaftet, gefoltert und
ermordet. In der Ausstellung werden auf vielen der optisch sehr
nutzerfreundlich gestalteten Tafeln nicht nur die Frauenpolitik, den
Revanchismus, das Umweltverständnis der rechtsextremen Gruppen dargestellt,
es werden auch Vergleiche mit der Politik der NSDAP gezogen.
Die Gewerkschaftsfeindlichkeit rechtsextremer Gruppierungen kommt gemeinhin
in der öffentlichen Debatte zu kurz. Es ist nicht verwunderlich, dass eine
von den Gewerkschaften ver.di Berlin-Brandenburg, IG-Bau Bezirksverband
Berlin und IG-Metall Berlin, Brandenburg und Sachsen unterstützte
Ausstellung hier das Augenmerk drauflegt. Erwähnt wird auch, dass engagierte
Gewerkschafter immer wieder von Rechtsextremisten bedroht werden. Anhand von
Flugblättern der Republikaner und der NPD wird gezeigt, dass die Bekämpfung
eigenständiger gewerkschaftlicher Interessenvertretungen und die
Propagierung einer Volksgemeinschaft dort einen zentralen Stellenwert
einnimmt. Das Veranstaltungsprogramm, das die Ausstellung begleitet, widmet
sich unter anderen auch der sozialen Demagogie der Rechten. Ein in
Gewerkschaftskreisen heiß diskutiertes Thema sind rechte Einstellungen in
der eigenen Mitgliedschaft. Auf einer Veranstaltung wird daher auch eine vor
wenigen Monaten zu diesem Thema erstellte Studie der Berliner Freien
Universität vorgestellt und diskutiert.
Peter Nowak