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ND03.11.06 »Wir haben noch viel Arbeit vor uns«
Mona Bricke über die Pläne für die Proteste gegen den G 8-Gipfel 2007 in Heiligendamm
Kommendes Wochenende findet in Rostock eine Aktionskonferenz statt, die helfen soll, die Aktivitäten gegen den G 8-Gipfel 2007 in Heiligendamm besser zu bündeln. Mona Bricke ist G 8-Projektbeauftragte des Forums Umwelt und Entwicklung in Bonn. Für ND sprach Peter Nowak mit ihr über den Stand der Vorbereitungen.
ND: Die Pläne für die Proteste gegen den G 8-Gipfel in Heiligendamm werden konkreter. Womit können wir im Sommer 2007 rechnen?
Bricke: Es wird vom 2. bis 9. Juni eine Woche voller Aktivitäten geben. Sie soll mit einer Großdemonstration am 2. Juni in Rostock beginnen. Innerhalb dieser Woche soll es eine ganze Palette unterschiedlicher Aktionen geben. Das Spektrum reicht von einem großen Konzert mit Herbert Grönemeyer bis zu antimilitaristischen und antirassistischen Aktionstagen. Vom 5. bis 7. Juni soll ein Alternativgipfel mit internationaler Beteiligung organisiert werden. Es ist geplant, über das im Januar 2007 in Nairobi stattfindende Weltsozialforum internationale Kontakte zu knüpfen und vor allem Stimmen und Themenschwerpunkte aus Afrika mit aufzunehmen. Auch im europäischen Rahmen soll mobilisiert werden. Hierfür soll die zweite Aktionskonferenz, die vom 10. bis 12. November in Rostock stattfinden wird, Impulse geben.
Wie würden Sie den Stand der Vorbereitungen knapp sieben Monate vor dem Gipfel beschreiben?
Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Die Vorbereitung für die Großdemonstration und den Alternativgipfel braucht noch viele Impulse. Auch die Internationalisierung des gesamten Prozesses steht noch am Anfang. Außerdem brauchen die Aktivisten vor Ort in Mecklenburg-Vorpommern dringend Unterstützung. Der Bundesregierung und auch den zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern muss klar sein, dass sie sich den demokratischen Protest mit einladen, wenn man so einen Gipfel ins Land holt.
Wer plant diesen Protest?
Es gibt regelmäßige Koordinierungstreffen, an denen rund 60 Gruppen teilnehmen. Das Spektrum reicht von Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie VENRO, dem Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern oder dem Forum Umwelt und Entwicklung über die Koordinierungsstelle »Kirche und G 8« der Mecklenburgischen Landeskirche bis zu Attac und der Interventionistischen Linken. Im Vordergrund steht die Koordinierung der Aktionen. Aufrufe und politische Erklärungen werden in diesem Rahmen bisher nicht verfasst.
An den Vorbereitungen ist also ein recht breites Bündnis beteiligt. Wie läuft die Kooperation?
Sicherlich gibt es im Koordinationskreis auch Konflikte. Die sind meist Resultat von Missverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten. So verstehen NGO unter Mobilisierung beispielsweise etwas anderes als linke Initiativen. Auch die unterschiedlichen Arbeitsweisen spielen dabei eine Rolle. So sind bei einem Koordinierungstreffen am Sonntag viele Vertreter politischer Initiativen anwesend. Bei Treffen unter der Woche überwiegen hingegen die hauptamtlichen NGO-Vertreter. Doch nicht alle Kontroversen verlaufen an der Bruchlinie politische Initiativen versus NGOs. So gibt es zur Frage der Beteiligung politischer Parteien am Koordinierungskreis Gegner und Befürworter sowohl bei NGOs als auch beim eher bewegungsorientierten Spektrum.
Bei früheren G 8-Protesten gab es teils schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wurde auch über die Gewaltfrage diskutiert?
Es gibt im Koordinierungskreis einen Konsens, dass an der Großdemonstration auch Familien mit Kindern teilnehmen können und sollen. Auch für die Planung der anderen Aktivitäten gibt es Übereinstimmung darüber, dass von diesem Kreis aus nur an gewaltfreien Aktivitäten gearbeitet wird. (Mein Gott wird das Öde für die armen Kinder - die HomepagemacherInnen)
Beim G 8-Gipfel im Sommer 2005 in Schottland haben Künstler wie Bono mit ihrer Initiative »Make Poverty History« den politischen Gruppen die Show gestohlen. Könnte sich das 2007 in Heiligendamm wiederholen?
Das glaube ich nicht. In Deutschland ist das Bündnis schon jetzt viel breiter als in Schottland. Auch Herbert Grönemeyer hat sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit den NGOs bekundet. Daher ist es wichtig, die Proteste und Aktivitäten zu G 8 2007 auf eine so breite Basis zu stellen, dass die unterschiedlichen Vorstellungen dort Platz haben.