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Taz vom 9.1.06Protest mit Anlauf
Globalisierungskritiker bereiten Proteste gegen den G-8-Gipfel vor. Der wird
2007 in Heiligendamm stattfinden
Die Regierungschefs der acht größten Industrienationen haben sich erst für
kommendes Jahr in Deutschland verabredet. Die globalisierungskritischen
Gegner des für Mai 2007 in Heiligendamm geplanten G-8-Treffens aber haben
sich bereits am Wochenende getroffen. Mehr 250 meist junge Menschen aus der
gesamten Republik drängelten sich in den Veranstaltungsräumen des
Alternativzentrums Mehringhof in Kreuzberg.
Schon vor Monaten haben GlobalisierungskritikerInnen den Gipfel in dem
Ostseebad bei Rostock zum Mobilisierungsziel erkoren. Mit steigenden
Interesse, wie sich in Berlin zeigte. Die TeilnehmerInnen verstanden sich
überwiegend als undogmatische Linke, die sich an den Grundlagen des
internationalen globalisierungskritischen Netzwerkes People Globale Action
(PGA) orientieren. Eine Ablehnung von Hierarchien und Lobbyarbeit sowie ein
positiver Bezug auf zivilen Ungehorsams und eine konfrontative Haltung
gegenüber den Staat gehören zu den Essentials.
Die TeilnehmerInnen folgten den teilweise recht zähen Debatten in den großen
Plena über das Prozedere einer gemeinsamen Konsensfindung. Einfacher war es
bei Arbeitsgruppen zu den Themen Repression und Traumata in der Folge
polizeilicher Maßnahmen. Richtig lebhaft aber wurden die Diskussionen bei
den Treffen, die schon konkrete Aktionen für die kommenden Monate
vorbereiteten. Für Anfang August 2006 ist ein erstes Anti-G-8-Camp in der
Nähe von Heiligendamm geplant.
Im kommenden Jahr dürften die Demonstranten kaum noch so nah an den
Tagungsort kommen. Zwar wirbt die offizielle Homepage des Seebades mit der
doppeldeutigen Überschrift "Münster, Molli, Moor und Meer" für einen Besuch.
Während des G-8-Gipfels aber wird der Ort weitgehend gesperrt sein.
Die Aktivitäten der Globalisierungskritiker werden derweil mit Interesse
auch von der Gegenseite beobachtet. So erklärte der Hamburger
Verfassungsschutz nach einem ersten bundesweiten Treffen der G-8-GegnerInnen
im Herbst 2005 Berlin zu einem der Zentren der "linksextremistischen
Globalisierungsgegner". PETER NOWAK