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ND05.04.06 Zu Gast bei Rechtsradikalen
NPD und Kameradschaftsszene planen Aktionen zur Fußball-WM
Von Peter Nowak
Nach mehreren Wahlschlappen und dem Austritt von 3 Landtagsabgeordneten in
Sachsen sucht die rechtsradikale NPD händeringend nach einem Thema, um
wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Dafür wollen die Rechten
auch die Fußball-Weltmeisterschaft
nutzen.
Der sächsische Landesverband der NPD hat angekündigt, am 21. Juni unter dem
offiziellen WM-Motto »Die Welt zu Gast bei Freunden« die iranische
Nationalmannschaft zu ihrem Spiel in Leipzig willkommen zu heißen. Doch
nicht um die iranischen Spieler geht es der Rechtspartei - sie will sich
vielmehr mit den antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten
solidarisieren.
Was die Partei in Wirklichkeit von Spielern aus anderen Ländern hält, wird
mit einer weiteren Kampagne deutlich, die die NPD ebenfalls vor einigen Tage
vorstellte. Unter dem Motto »Weiß - nicht nur eine Trikotfarbe« haben die
Rechtsradikalen einen eigenen WM-Planer veröffentlicht. Auf dem Titelbild
ist neben dem Trikot der deutschen Fußballmannschaft die deutsche Fahne
besonders herausgestellt. Auf dem Trikot ist die 25 zu sehen, die Nummer des
deutsch-afrikanischen Nationalspielers Patrick Owomoyela. Er war wie der aus
Ghana stammende Schalke-Spieler Gerald Asamoah in der letzten Zeit häufig
Zielscheibe rechter Fußballfans. So tauchten in Halle und Pritzwalk in den
Wochen Plakate mit Asamoahs Konterfei und rassistischen Parolen auf.
Das bestätigt die Einschätzung von Rechtsextremismusexperten, dass neben der
NPD auch die parteiunabhängigen Freien Kameradschaften Aktionen zur WM
planen. Nach Informationen der ARD wurden aus diesem Spektrum mittlerweile
fünf Demonstrationen angemeldet, unter anderem in Gelsenkirchen und in
Thüringen.
Nach Berichten der italienischen Tageszeitung »La Repubblica« wurden die
letzten Vorbereitungen für die rechte WM-Kampagne auf einem
deutsch-europäischen Treffen am 18. März im deutsch-österreichischen
Grenzgebiet zwischen Passau und Braunau verabredet. Die Zeitung spricht von
über 70 Neonazis aus ganz Europa und zitierte Teilnehmer des Meetings,
wonach sich die rechtsradikale Kampagne vor allem gegen »Türken und Moslems«
richten solle. Nach Recherchen der Internetzeitung »Blick nach Rechts« war
für den »Tag der volkstreuen Jugend Kampf - Aktion - Widerstand« unter
anderem im rechten Störtebecker-Netz, aber auch auf der Homepage der
sächsischen NPD geworben worden.
Die Pläne der Naziszene dürften den Sicherheitspolitikern im Berliner
Bundesinnenministerium nicht ganz ungelegen kommen, um die Pläne für den
immensen Sicherheitsaufwand während der Fußball-WM zu rechtfertigen.
»Deutschland werde rechtsextreme Bestrebungen vor, während und nach der WM
mit allen Mitteln bekämpfen«, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) unlängst auf einer Tagung von internationalen Sicherheitsexperten zur
Weltmeisterschaft in Berlin. Da hatten die Neonazis ihre Pläne offiziell
noch gar nicht bekannt gemacht.