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Blick nach RechtsAusgabe 05/2006Service"Zusammengeschlagen"
Rechte Gewalt im Stadtteil nimmt zu.
Im Berliner Stadtteil Friedrichshain kleben auffällige Plakate mit der
Überschrift "Zusammengeschlagen". Damit wollen engagierte Bürgerinnen und
Bürger auf die zunehmenden Übergriffe von Neonazis aufmerksam machen. Nach
Angaben der Opferberatungsstelle Reach Out gab es im vergangenen Jahr 103
rechte Angriffe auf Personen in Berlin, 40 mehr als im Vorjahr.
Friedrichshain lag mit 23 Angriffen an der Spitze. Sollte es der aktuelle
Trend fortsetzten, könnte sich die Zahl in 2006 noch erhöhen.
Allein seit Anfang Januar wurden acht rechtsextreme Übergriffe bekannt.
Alternativ aussehende Jugendliche und vermeintlich Nichtdeutsche wurden
angepöbelt, bedroht und verprügelt. Am 1. Februar verletzten drei
Rechtsextremisten einen Jugendlichen in der U-Bahn. Am 5. Januar wurden
mehrere junge Leute von Rechtsextremisten geschlagen. Einer musste mit einem
gebrochenen Arm und Schürfwunden ärztlich behandelt werden. Bewohner des
Stadtteils können sich noch erinnern, dass die rechtsextremen Übergriffe in
Friedrichshain Anfang der 90er Jahre an der Tagesordnung waren. Höhepunkt
war der Mord an Silvio Meier im November 1992. Er war am U-Bahnhof
Samariterstraße von einem Neonazi erstochen worden, den Meier wegen eines
braunen Aufklebers zur Rede gestellt hatte. Das führte zu verstärktem
Engagement demokratischer Organisationen. Danach ging die rechtsextreme
Präsenz in dem Stadtteil zurück.
Die erneute Zunahme der Übergriffe wird von Stadtteilinitiativen als eine
gezielte Strategie der Neonazis gesehen. So sind vor den Übergriffen
Aktivisten der mittlerweile verbotenen "Kameradschaft Tor" am Tatort gesehen
worden. Aufgrund der Häufung der Überfälle soll ein "Bürgerbündnis gegen
Rechts" gegründet werden. Bei einem ersten Treffen waren neben zahlreichen
Initiativen auch Parteienvertreter und die Bezirksbürgermeisterin Cornelia
Reinauer anwesend. Zunächst soll die Bevölkerung über die Gefahr von rechts
aufgeklärt und zur Zivilcourage animiert werden. Weitere Aktionen und
Veranstaltungen sind in Vorbereitung.
Peter Nowak