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ND19.05.06»Schade, dass Heye wieder einknickt« Betroffene stimmen Warnung vor Gewalt zu Yonas Endrias ist Vizepräsident der Liga für Menschenrechte und Mitglied des Afrika-Rats. ND: Wie beurteilen Sie die Warnung von Uwe Karsten-Heye vor rassistischen Übergriffen auf dunkelhäutige Besucher der Fußball-WM? Endrias: Der Mann hat völlig Recht. Er hat nur benannt, was leider schon zu lange Realität ist. Schwarze Familien machen keine Ausflüge nach Ostdeutschland, weil sie nicht Opfer rassistischer Gewalt werden wollen. Herr Heye, der ja Vorsitzender des Vereins »Gesicht zeigen« ist, hat mit seinen Äußerungen tatsächlich Gesicht gezeigt. Wir hätten uns nur gewünscht, dass er nicht so schnell wieder einknickt. Heyes Warnung wurde auch vom Bundestagsabgeordneten der Linkspartei Hüseyin Aydin kritisiert. Diese sei »Blödsinn« und käme einer Kapitulation gleich. Solche Äußerungen kann ich überhaupt nicht verstehen. Der Politiker hätte sich vorher bei den Organisationen der Betroffenen erkundigen sollen. Auch der Vorwurf, dass man den Neonazis in die Hände spielt, wenn man nicht mehr nach Ostdeutschland fährt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die so genannten national befreiten Zonen der Neonazis sind eine Realität. Es ist Aufgabe der Politik, darauf zu reagieren und dafür zu sorgen, dass es keine rassistischen Angriffe gibt. Haben die rassistischen Angriffe in letzter Zeit zugenommen? Sie sind nach unseren Beobachtungen gleichbleibend hoch. Wir sind praktisch tagtäglich davon betroffen. Viele Schwarze versuchen sich davor zu schützen, indem sie bestimmte Regionen meiden. Doch Flüchtlinge sind wegen der Residenzpflicht gezwungen, dort zu leben, wo es ihnen bestimmt wird. Sie sind daher besonders häufig von den Angriffen betroffen. Oft gehen sie auch gar nicht zur Polizei, weil sie negative Folgen auf ihre Asylentscheidung befürchten. Daher ist die Dunkelziffer der rassistischen Angriffe sehr hoch. Handelt es sich beim Rassismus um ein Problem Ostdeutschlands? Rassismus ist bestimmt kein ostdeutsches Problem. Aber das Risiko, als Schwarzer angegriffen zu werden, ist im Osten wesentlich größer als im Westen. Diese Erfahrung mache ich bei meinen Aufenthalten in verschiedensten Teilen Deutschland persönlich immer wieder. Im Osten kommen Pöbeleien häufiger vor. Der Afrika-Rat hatte einen Katalog mit Vorsichtsmaßnahmen für schwarze WM-Besucher angekündigt. Was ist daraus geworden? Es geht nicht, wie vielfach in den Medien dargestellt, um eine Auflistung von Orten mit rassistischen Übergriffen, sondern um Ratschläge an schwarze WM-Besucher, damit sie nicht Opfer rassistischer Gewalt werden. Wir wollen diese Handreichungen in fünf Sprachen auf einer Internetseite veröffentlichen. Weil wir nur ehrenamtlich arbeiten und keinerlei finanzielle Unterstützung bekommen, brauchen wir dazu mehr Zeit. Aber der Katalog wird in den nächsten Wochen veröffentlicht. Fragen: Peter Nowak |