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ND 20.10.06 Licht statt Leuchttürme
Ernennung von Elite-Unis stößt bei Studierenden auf Kritik
Von Peter Nowak
Beim Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Freien Universität (FU) Berlin knallten vor einer Woche die Sektkorken. Dort wurde das Ausscheiden der FU beim Exzellenzwettbewerb von Deutscher Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftsrat mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen. »Der AStA der FU lehnt den Elitewettbewerb zwischen den Hochschulen aufgrund des dahinterstehenden elitären Gesellschaftsverständnisses und der zu fürchtenden Folgen für Studierende und Wissenschaft generell ab«, begründet die Referentin für Hochschulpolitik, Elsa Köster, die Reaktion.
Für die ablehnende Haltung nennt sie mehrere Gründe. »Universitäre Spitzenforschung orientiert sich an wirtschaftlicher Verwertungslogik und schließt alternative und kritische Forschungsmöglichkeiten aus«, meint Köster gegenüber ND. Außerdem erwartet sie durch den Elitenwettbewerb eine Spaltung der deutschen Hochschullandschaft in wenige Forschungsuniversitäten mit hohem Prestige und einer großen Anzahl von Massenausbildungsuniversitäten mit verschulten Bachelor-Studiengängen. Selbst die Studenten der drei vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgewählten Universitäten werden von dem Geldsegen nicht profitieren, meint Köster. Schließlich werde das Geld ausschließlich für die Forschung verwendet.
Das sehen die Mitgliedern des Unabhängigen Studierendenausschuss (UStA) der Universität Karlsruhe ähnlich. Sie haben die Exzellenz-Initiative von Anfang an abgelehnt. »Die Universität gehört eben nicht den Exzellenzen und Eliten, sondern noch immer den Studierenden. Das muss so bleiben«, meint UStA-Mitglied Boris Bartenstein. »Es ist der blanke Hohn, mit dieser spezifischen Elite-Förderung über die gravierenden Mängel im Fundament des deutschen Hochschulwesens hinwegtäuschen zu wollen«, so der Hochschulaktivist. Den vergangenen Freitag sahen die UStA-Mitglieder als Niederlage an. Trotz ihres monatelangen Kampfes gegen die Exzellenz-Initiative gehörte die Karlsruher Universität zu den Gewinnern des Wettbewerbs. Für den UStA ist das allerdings kein Grund, seine ablehnende Meinung zu ändern. Er will unter dem Motto »Licht statt Leuchttürme« weiter für »kritische und unabhängige Wissenschaft« kämpfen.