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Taz 13.1.06Du-bist-Kollateralschäden
Die Erfinder der "Du bist Deutschland"-Kampagne wollen kritisch-kreative
Nachahmer jetzt per Anwalt stoppen
Es scheint, als habe die "Du bist Deutschland"-Kampagne bei vielen einen
wahren Kreativitätsschub ausgelöst. Das müsste doch ganz im Sinne der
Erfinder der "Mitmach-Kampagne" sein. Nach dem Motto "Ganz Deutschland packt
an" sind "Fans for Football" ebenso am Start wie die "Initiative gesunder
Rücken". Doch sie hat auch die Fantasie jener geweckt, die mit Deutschland
gar nichts am Hut haben.
"Ich bin nicht Deutschland", "Du bist billig, Deutschland". Solche
Wortspiele haben derzeit im Internet, auf Flyern, Postkarten und Plakaten
Hochkonjunktur.
So viel Kreativität scheint wohl doch nicht ganz im Sinne der Erfinder. Die
verantwortliche Werbeagentur Jung von Matt/Alster schaltete jetzt die Justiz
ein. Die Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Unverzagt/von Have teilte Jens
Schultz mit, als Betreiber der Seite
www.wieder-deutschland.de habe er sich
eines schweren Verstoßes gegen die Markenrechte, gar einer Verunglimpfung
schuldig gemacht, und verlangte eine Unterlassungserklärung. Besonders die
Veränderung des Kampagnenlogos (rote und gelbe Welle unter einem schwarzen
Punkt) wird in dem Schreiben inkriminiert. "Erschwerend kommt hinzu, dass
durch die bildliche Einfügung einer Hundezeichnung der Eindruck erweckt
wird, dass der dargestellte Hund entweder auf das Bildmotiv seine Notdurft
verrichtet oder aber das Bildmotiv selbst ein von dem Hund hergestellter
Hundehaufen darstellen soll". Drauf geschissen, könnte man sagen. Die jungen
Kreativen wollen es auf einen Rechtsstreit gar nicht ankommen lassen.
"Wir haben die Logos so verändert, dass es im streng juristischen Sinne
wirklich keine Handhabe mehr geben dürfte", sagte Jens Schultz der taz. Er
dürfe sich sogar freuen, dass seine Website nun richtig bekannt geworden
ist. Täglich werden Sprüche der Art "Ganz Deutschland zieht an einem Strang.
Wir halten dagegen" gemailt. Kreativer als "Du bist Porsche" ist das
allemal. Nebenbei haben die KritikerInnen enthüllt, dass die Kampagne auch
ungefragt Prominente für sich werben lässt.
So will die Emma-Chefin auch nicht mehr Deutschland sein: "Alice Schwarzer
unterstützt keineswegs die Kampagne. Sie hat, ganz wie Sie, die Anzeige erst
in der Zeitung gesehen", schrieb die Emma-Redaktion an
www.wieder-deutschland.de. PETER NOWAK