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Frankfurter Rundschau 26.09.06Unternehmen in der Pflicht
Netzwerk pocht auf verantwortungsvolles Verhalten
Corporate Accountability (Cora), ein Netzwerk für Unternehmensverantwortung aus Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchlichen und entwicklungspolitischen Organisationen sowie Verbraucher- und Umweltverbänden, ist in Berlin an den Start gegangen.
Berlin - "Wir wollen in die gesellschaftliche Debatte über Unternehmensverantwortung eingreifen und dabei die zivilgesellschaftliche Stimme hörbarer machen", sagte Peter Fuchs von der Organisation Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (Weed).
In der Gründungserklärung wird unter anderem gefordert, dass Unternehmen über die Auswirkungen ihres Handelns auf Umwelt und Menschenrechte Rechenschaft ablegen sollen. Die Vergabe öffentlicher Aufträge soll an ethische Standards geknüpft werden. Auch in internationalen Wirtschaftsabkommen und bei der Wirtschaftsförderung sollen Unternehmenspflichten verankert werden. Eine "gerechte Unternehmensbesteuerung zum Nutzen der Gesellschaft" sowie "wirksame Sanktionen und Haftungsregeln für Unternehmen, die gegen Menschenrechte, soziale und ökologische Normen verstoßen", sind weitere Forderungen von Cora. Der Forderungskatalog soll dem Bundesministerium für Arbeit übergeben werden.
Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrends glaubt, dass internationale Konzerne für zahlreiche ökologische Schäden verantwortlich sind. Doch mit schönklingenden Selbstverpflichtungen sei es nicht getan. "Nur wenn Unternehmen bei Verstößen auch zur Rechenschaft gezogen werden und haften müssen, werden sie künftig die Standards einhalten." Lothar Schröder vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi forderte für Unternehmen "konkrete Pflichten und wirksame Kontrollmöglichkeiten". Nur so könne verhindert werden, dass anerkannte soziale und politische Rechte der Beschäftigten missachtet werden.
Kunden sollen Einfluss nutzen
Für den Bundesverband der Verbraucherzentralen bekräftige Patrick von Braunmühl das verstärkte Interesse vieler Kunden an der Herstellung der Produkte. Die Parole "Geiz ist geil" sei längst überholt. Kunden könnten das Verhalten von Firmen fördern oder sanktionieren. Als Beispiel nannte er die zunehmende Nachfrage nach Bioprodukten. Peter Nowak