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ND03.11.06Wenn der GEZ-Kontrolleur zweimal klingelt
Studierende und Hochschulen wehren sich gegen Rundfunkgebühr für internetfähige Computer
Von Peter Nowak
Die Einzugszentrale für Rundfunk- Fernsehgebühren (GEZ) will demnächst auf internetfähige Computer eine Gebühr von 5,52 Euro erheben. Nach Meinung des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) hat diese Gebühr gravierende Folgen für die Bildungslandschaft, vor allem für die Hochschulen und Schulen.
Studenten machen Front gegen eine GEZ-Gebühr für Computer. »Mit der Einführung der Computer-Gebühr werden Leistungen in Rechnung gestellt, die zum einen vorher unentgeltlich waren und zum anderen den Lernenden einen Zugang zum immer wichtiger werdenden Wissensportal Internet eröffnen«, erklärt Elke Michauk aus dem Vorstand des fzs. Für Konstantin Bender von der Universität Darmstadt handelt es sich bei der GEZ-Gebühr um einen weiteren Fall von Privatisierung bisher öffentlicher Güter. Die Studierenden seien dadurch gleich doppelt betroffen. Die meisten Kommilitonen haben mindestens einen internetfähigen Computer zu Hause, für die sie dann jeweils die Gebühr entrichten sollen.
Auch die Hochschulen sollen für jeden Rechner auf dem Campus GEZ-Gebühren bezahlen. Allein an der Universität Köln gibt es über 1000 Rechner, so dass sich der Betrag summieren würde. Leidtragende seien auf jeden Fall die Studierenden. Entweder fehle das Geld für andere dringende Ausgaben im Bildungsbereich und die Zahl der bereitgestellten Rechner werde reduziert, kritisiert Bender. Andere Hochschulen geben die Kosten an die Studierenden weiter.
Bender verwies darauf, dass an einigen Hochschulen von den Kommilitonen bereits jetzt Computernutzungsgebühren erhoben werden. So kommen neben der Gebühr für die eigenen Rechner auf die Studierenden weitere Kosten zu. Das sei für den fzs nicht akzeptabel, meinte Bender mit dem Verweis auf die angespannte finanzielle Situation vieler Studierenden. Der fzs fordert daher eine generelle Gebührenfreiheit für Computer an Hochschulen. Bender verweist auf das Hotel- und Gaststättengewerbe, das mittlerweile durchgesetzt hat, dass ein Unternehmen nur für einen Computer die Gebühr zahlen muss. Es wäre nur logisch, auch im Hochschulbereich eine solche Regelung einzuführen. Schließlich sei die Bereitstellung möglichst vieler internettauglicher PC geradezu ein Qualitätsmerkmal für die Hochschulen.
Heute hätten die Studierenden gar nicht mehr die Wahl, auf die die Nutzung von Computer und Internet zu verzichten. In vielen Prüfungsordnungen werde schon festgeschrieben, dass die Arbeiten nur mit PC zu schreiben sind. Auch für die Quellen-Recherche sei das Internet heute meist unverzichtbar. Es könne nicht sein, dass zunächst der Computer zum unverzichtbaren Hilfsmittel beim Studium gemacht wird und man dann kassiert, so Bender.