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ND06.01.06 Unvereinbarkeit mit Lücken SPD tut sich mit Distanz zu Burschenschaften schwer Von Peter Nowak Der Fortschritt ist eine Schnecke. Dieses Bonmot eines prominenten SPD-Wahlhelfers der 70er Jahre bekommt jetzt wieder der akademische Parteinachwuchs zu spüren. Seit Jahren distanzieren sich die Juso-Hochschulgruppen auf ihren Kongressen von den Burschenschaften. »Das Bundeskoordinierungstreffen hält ... eine Mitgliedschaft von Corporationsstudierenden in Juso-Hochschulgruppen für unvereinbar mit den Prinzipien des Verbandes«, hieß es beispielsweise in einem Antrag, der vor fast drei Jahren auf einen Treffen der studierenden Jungsozialisten in Karlsruhe beschlossen wurde. Die emsige Überzeugungsarbeit von Jusos und einigen SPD-Abgeordneten blieb in der eigenen Partei nicht ohne Erfolg. Auf ihren Bundesparteipartei Mitte November 2005 in Karlsruhe beauftragten die Delegierten den Parteivorstand, »die Mitgliedschaft in einer studentischen Burschenschaft oder in einem Corps grundsätzlich für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der SPD« zu erklären. Ausnahmeregelungen werden schon im Antrag formuliert. »Ausgenommen sind Burschenschaften und Corps, die nicht Mitglied einer Dachorganisation sind (Deutsche Burschenschaften, Neue Deutsche Burschenschaft, Coburger Bund, Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und deren Unterverbindungen) und sich klar von geschichtsrevisionistischen Meinungen abgrenzen und in denen es keine Ungleichbehandlung von Mann und Frau sowie keine Diskriminierungen bestimmter Gesellschaftsgruppen (z. B. Homosexuelle, AusländerInnen, Wehrdienstverweigerern etc.) gibt.« Trotzdem setzte sofort eine Gegenkampagne von Burschenschaftern und ihnen nahestehenden Akademikerverbänden ein. Der Beschluss sei intolerant und ideologiebeladen, lautete der Tenor der Kritiker. Ins gleiche Horn stieß auch ein Artikel in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ) Ende Dezember. Auch innerparteilich scheint der Beschluss nicht unumstritten. So wollten erst vor wenigen Monaten die prominenten Sozialdemokraten Egon Bahr und Friedhelm Farthmann bei studentischen Verbindungen auftreten, die ausdrücklich nicht unter die Ausnahmeregelungen fallen. Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete gehört dem Wingolfsbund an, der sich allerdings nicht als Burschenschaft, sondern als »christliche, farbentragende, nicht schlagende Studentenverbindung« versteht. Da dort Frauen nicht Mitglieder werden können, müsste er auch unter den Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD fallen. Der Parteivorstand will sich im Februar mit den Materialien des Bundesparteitages befassen. Manche Beobachter fürchten schon eine weitere Verwässerung oder gar eine Beerdigung zweiter Klasse. Schon in den 1950er Jahren gab es einen ähnlichen Unvereinbarkeitsbeschluss, der in der SPD in den 60er Jahren stillschweigend aufgegeben wurde. |