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ND01.08.06 Neonazis attackieren Buchenwald-Camp
Weimar: Linke organisieren Verteidigung
Von Peter Nowak
Neonazis mobilisieren erstmals gegen ein Antifacamp in Buchenwald und ein linkes Wohnprojekt in Weimar.
Vom 5. bis zum 13. August soll bei der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar das 18. Antifa-Camp stattfinden. Es ist mittlerweile eine feste »Größe« auf vielen linken Sommerplanern. Auch in diesem Jahr wird die Arbeit zum Erhalt der Gedenkstätte mit Informationsveranstaltungen, Kultur und Demonstrationen verbunden. Ein Diavortrag über eine Israel-Reise, eine Infoveranstaltung zur Fragwürdigkeit der deutschen Gedenkstättenpolitik sowie der Bericht eines ehemaligen Kämpfers der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg stehen auf dem Programm, unter www.buchenwald-camp.antifa.de vollständig zu finden.
Peter Gingold und Heinrich Fink von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) werden über die Rolle von Zeitzeugen bei der Antifa-Arbeit berichten.
Das erste derartige Camp fand im Sommer 1990 statt. Damals zeichnete sich schon ab, dass konservative Gruppen aus der ehemaligen antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald einen Ort machen wollten, an dem ein Gleichheitszeichen zwischen dem NS-Regime und der DDR gesetzt werden soll. Dagegen meldeten die Teilnehmer der Antifa-Camps von Anfang an vehement Widerstand an. Das hat einige Jahre zu einem gespannten Verhältnis zwischen der Leitung der Gedenkstätte und den Bewohnern des Camps geführt. Inzwischen ist man aber wieder zu einer Arbeits- atmosphäre zurückgekehrt, doch Differenzen bleiben. »Wir wollen nicht zulassen, dass die Gedenkstätte missbraucht wird für Geschichtsumdeutung und für heutige politische Strategien«, betont ein Campsprecher.
Doch in diesem steht der Kampf gegen Rechts ganz praktisch auf der Camp-Agenda. Unter dem Motto »Schluss mit dem Antifacamp« und »Schließt die rote Terrorzentrale Gerberstraße« rufen sowohl die NPD Weimar-Land als auch Freien Kameradschaften für den 12. August zu einer Demonstration in Weimar auf.
Neben dem Camp steht auch das linke Wohn- und Kulturprojekt Gerberstraße in Weimar im Visier der Rechtsextremisten. »Kommt nach Weimar und bietet den Linksfaschisten die Stirn«, heißt es unzweideutig in verschiedenen rechten Internet-Foren.
Die Camp-Organisationen nehmen die Ankündigungen ernst. So wird dazu aufgerufen, schon am Freitag ins Camp zu kommen, um sich an antifaschistischen Gegenaktionen am 12. August zu beteiligen.