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Blick nach Rechts18/2006Tödlicher Hass
Russische Rechtsextremisten zünden Bombe.
Zunächst gingen die Behörden von der Explosion einer Gasflasche aus. Doch bald stellte sich heraus, dass es eine Bombenexplosion mit politischem Hintergrund war, die am 21. August auf dem Moskauer Markt Tscherkisowo elf Menschen das Leben kostete. Die Täter wurden noch in der Nähe der Anschlagsstelle gefasst, möglicherweise werden ihnen noch weitere Anschläge zur Last gelegt. In den Zimmern der drei Studenten Oleg Kostyrew, Ilja Tichomirow und Walerij Schukowzew fand die Polizei neben Utensilien zum Bau von Bomben und zur Herstellung von Sprengstoff auch eine Menge nationalsozialistischer Schriften.
Die drei Studenten sollen schon länger in rechtsextremen Kreisen verkehren. Mit der Bombe auf dem von vielen Nichtrussen besuchten Markt, der zwei jüdischen Geschäftsleuten gehört, wollten sie in die Tat umsetzen, was Rechtsextremisten in dem Land schon lange propagieren: Moskau soll von Migranten aus dem kaukasischen Raum, von afrikanischen Studenten und von Juden gesäubert werden. Diese Gruppen stehen als Feindbild der russischen Rechtsextremisten an vorderster Stelle. Die „Bewegung gegen die illegale Migration“ hält zwar Gewalt zur Zeit noch nicht für das richtige Mittel, bringt aber rechten Gewalttätern in ihren Verlautbarungen Verständnis entgegen.
Ende Juli sprach ein Geschworenengericht in St. Petersburg vier Neonazis frei, die im letzten Jahr einen kongolesischen Studenten überfallen und so schwer verletzt hatten, dass der kurz darauf starb. Die im Saal anwesenden Rechtsextremisten kommentierten das Urteil mit minutenlangen Beifall, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ wurde kürzlich in einem Konferenzsaal der Duma ein Buch vorgestellt, das „Hitler verherrlicht und seine Schuld verniedlicht“. Bei der Veranstaltung habe ein Mitglied der rechtsextremen Liberaldemokraten neben dem Vorsitzenden der Moskauer Nationalsozialistischen Gesellschaft Dimitrij Rumanezew gesessen. Der forderte wiederholt, in Russland lebende Ausländer in Konzentrationslager zu sperren.
Peter Nowak