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ND 13.01.06 Mal wieder getrennt marschieren Bolkestein-Proteste: Gewerkschaften, Attac und Erwerbslose haben Terminprobleme Von Peter Nowak Gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie wollen im Februar Gewerkschaften wie soziale Bewegungen Sturm laufen - an allerdings mittlerweile drei verschiedenen Terminen. Beobachter sehen in der Aufspaltung der Proteste eine »Katastrophe«. Die Gegner der nach dem mittlerweile ausgeschiedenen EU-Kommissar Frits Bolkestein benannten Richtlinie haben sich zu früh gefreut. Eigentlich waren sie der Meinung, dass sie nach dem Scheitern der EU-Verfassungsreferenden in Holland und Frankreich Makulatur geworden ist. Denn es war nicht zuletzt die von den Gegnern als neoliberal bezeichnete Richtlinie, die die Verfassung durchfallen ließ. »Wie in einem Brennglas konzentriert sie alles, was am Verfassungsentwurf als neoliberal kritisiert wird. Statt Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz auf möglichst hohem Niveau zu harmonisieren, soll der gesamte Dienstleistungssektor mit einer einzigen Rahmenrichtlinie dereguliert werden«, schreiben die Kritiker. Zweimal Straßburg, einmal Berlin Jetzt haben Gewerkschaften und globalisierungskritische Organisationen den »Bolkestein-Alarm« ausgerufen. Denn die EU-Kommission hat das Gesetzgebungsverfahren für die inkriminierte Richtlinie weiter betrieben und ziemlich unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit in zahlreichen Ausschüssen beraten. Für den Februar steht die erste Lesung auf der Tagesordnung des Plenums des Europäischen Parlaments. Doch erst einmal streiten sich Gewerkschaften und soziale Bewegungen über Datum und Ort der Proteste. Der DGB mobilisiert für Dienstag, den 14. Februar, zu Protesten nach Straßburg und das globalisierungskritische Netzwerk Attac mobilisiert zum 11. Februar in der gleichen Stadt zu einer europaweiten Großdemonstration. Um die Verwirrung komplett zu machen, ruft Attac auch noch für den gleichen Tag zu Protestaktionen gegen die Dienstleistungsrichtlinie in Berlin auf. Die Initiative für die Proteste am 14. Februar kommt von der französischen Gewerkschaft CGT und wird vom Europäischen Gewerkschaftsbund wie auch vom DGB unterstützt. Ziel ist nicht eine generelle Ablehnung sondern nur eine Überarbeitung der Dienstleistungsrichtlinie. Doch auch ganz praktische Probleme werden gegen den Termin ins Feld geführt. Aus Deutschland und anderen europäischen Ländern werden an einem Wochentag nicht viele Leute zu mobilisieren sein, gibt der Sprecher des Erwerbslosen Forums Deutschland Martin Behrsing zu bedenken. Dass zeitgleich für den 11. Februar nach Berlin und Straßburg mobilisiert wird, stößt bei den organisierten Erwerbslosen ebenfalls auf Unverständnis. »Wir wissen nicht, warum DGB und Attac, sogar nach ausführlichen internen Absprachen zwischen den beiden Organisationen, von der ursprünglichen Linie abweichen und für zwei Großdemonstrationen in unterschiedlichen Städten mobilisieren«, schreibt das Erwerbslosenforum in einer Mitteilung. Eine Frage der Augenhöhe? Auch der Berliner Politologieprofessor und Protestmentor Peter Grottian hat für den Wirrwarr nur einen Kommentar: »Das ist eine Katastrophe.« Er sieht in erster Linie politische Gründe. Noch immer würden die Gewerkschaften den sozialen Initiativen nicht auf gleicher Augenhöhe begegnen. Er erinnerte an ähnliche Erfahrungen bei der Großdemonstration gegen Soziabbau im April 2004 in Berlin. Auch damals fühlten sich die sozialen Bewegungen organisatorisch vom DGB an die Wand gedrängt. Besonders die Aktivisten des »Aktionsbündnisses Sozialproteste« sind über die getrennten Aufrufe nicht erfreut. Denn das von den Sozialbündnissen erhoffte Auftaktsignal für eine neue Protestagenda durch eine starke europaweite Demonstration droht durch diese Terminvielfalt verloren zu gehen. Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Edgar Schu, hat in einem Schreiben an DGB-Chef Sommer noch einmal auf einen gemeinsamen Protesttermin am 11. Februar gedrängt. Eine Antwort hat er noch nicht erhalten. |