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Blick nach Rechts 13/2006NPD-Wahlhelfer
Ermittlungen gegen rechtes Schläger-Quartett.
Berlin-Schönefeld gilt mit seinem Flughafen gemeinhin als Tor zur Welt. Das es nur wenige Kilometer entfernt ganz anders aussehen kann, zeigte sich am frühen Morgen des 18. Juni. Sintayehu-Tadesse H., ein junger Berliner äthiopischer Herkunft, war mit fünf Freunden auf dem Weg von einer Diskothek nach Hause, als er auf vier Rechtsextremisten im Alter zwischen 15 und 23 Jahren traf, die Aufkleber der NPD und der Jungen Nationaldemokraten (JN) in der Gegend verklebten. Nach Angaben des Äthiopiers rannten die Rechten sofort auf ihn zu, riefen „Ausländer raus“ und „Scheiß Nigger, verpiss Dich“ und schlugen auf ihn ein. Darauf folgte eine „Prügelei von ungewöhnlicher Brutalität“, wie ein Sprecher der Polizei erklärte.
Auch zwei der rechten Angreifer mussten mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dabei handelt es sich nach Informationen des Berliner Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums (apabiz) um Dennis E. (23) und Timo L. (21), die schon lange zum Kreis der gewaltbereiten Rechtsextremisten in Berlin zählen. Beide waren zwei Tage zuvor in Rangsdorf aufgefallen. Sie zählten zu einer Gruppe von etwa 20 Neonazis, die teilweise vermummt und bewaffnet eine Veranstaltung stürmen wollten, auf der ein Referent von apabiz über Entwicklungen in der rechten Szene informierte. Die Polizei nahm die Neonazis, darunter Dennis E. und Timo L., die auch den JN angehören sollen, für einige Stunden in Gewahrsam. E. soll nach apabiz-Angaben bei Aufmärschen der mittlerweile verbotenen neonazistischen BASO als Ordner aufgetreten sein und habe bei der Bundestagswahl 2005 Wahlkampf für die NPD gemacht. Wegen der Beteiligung an einem Angriff auf einen vietnamesischen Imbissbetreiber am 5. April 2005 wurde E. zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die noch in Kraft ist. Die Polizei ermittelt gegen E. und L. wegen Volksverhetzung und gefährlicher Körperverletzung. Gegen beide ist Haftbefehl erlassen worden. Die beiden anderen Teilnehmer des rechten Quartetts sind noch Jugendliche. Gegen sie wird Verhängung von Jugendarrest beantragt.
Peter Nowak