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Junge Welt 25.02.04 Interview: Matthias Pfeiffer Ausreisezentrum in Sachsen-Anhalt: Hauptsache Flüchtlinge vergraulen? jW sprach mit Matthias Kramer vom Café International in Halberstadt * Matthias Kramer ist aktiver Kritiker des zentralen sachsen-anhaltinischen Ausreisezentrums (AZ) in Halberstadt, das 2002 als einjährige Piloteinrichtung ins Leben gerufen wurde. Vor kurzem wurde die Weiterführung des Projekts beschlossen. F: Der Innenminister Sachsen-Anhalts, Klaus Jeziorsky, hält an dem Ausreisezentrum fest, da es »eine Kombination aus sozialer Betreuung und ausländerrechtlicher Beratung, die bei dezentraler Unterbringung so nicht gewährleistet werden könnte«, darstelle. Warum haben Sie Probleme mit der Einrichtung?
Herr Jeziorsky kennt natürlich die Realität und lügt wissentlich. In dem sogenannten Ausreisezentrum werden Flüchtlinge interniert, deren Identität durch die Ausländerbehörden in Frage gestellt wird. Die Flüchtlinge sollen dazu beitragen, eine Identität zu finden, die sie abschiebefähig macht. Deshalb hält man sie unter permanentem Druck, täglich müssen sie sich ihre Duldung verlängern lassen. Die medizinische Versorgung ist minimal. Gerade erst mußte sich ein Betroffener, der an Diabetes leidet, wochenlang durch das Lager schleppen, ehe er in das Universitätsklinikum Halle eingewiesen wurde. Selbst die 40 Euro Taschengeld, die andere Flüchtlinge erhalten, werden den AZ-Internierten vorenthalten. Unter solchen Bedingungen ist klar, daß die Flüchtlinge sich rechtlich nicht gegen die Zustände verteidigen können.
F: Jeziorsky meint aber, das AZ habe sich bewährt
Aus seiner Sicht gewiß – Hauptsache sie sind weg, die Ausländer. Allerdings sind von den »abgewickelten« 50 Ausländern laut Jeziorskys eigener Statistik mindestens 45 untergetaucht. Selbst als Befürworter des AZ müßte man einsehen, daß das »Ausreise«-Zentrum versagt hat. Für Flüchtlinge ist das AZ so etwas wie die Endstation, da die Botschaften, bei denen die Flüchtlinge regelmäßig vorgeführt werden, die zur Abschiebung notwendigen Dokumente in den meisten Fällen verweigern. Der einzige Sinn des AZ besteht darin, die Flüchtlinge zu vergraulen, egal wie.
F: Was unternimmt das Café International gegen diese »Endstation«?
Gemeinsam mit den Flüchtlingen haben wir bisher viele Aktionen, Demonstrationen und Gespräche mit Politikern organisiert. Unsere Hoffnungen richten sich jetzt auf den Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt, der sich bereit erklärt hat, die Aktivitäten zu koordinieren. Es laufen auch erste Gespräche mit dem DGB. Im wesentlichen sind wir damit beschäftigt, überhaupt ein Problembewußtsein in der Öffentlichkeit zu schaffen. Eine Schließung des AZ werden wir ohne den unmittelbaren »Druck der Straße« nicht erreichen.
F: Was steht als nächstes an?
Wir werden einen Appell für die Schließung des Ausreisezentrums veröffentlichen, den hoffentlich viele Menschen unterschreiben. Daneben lassen wir von einer Leipziger Rechtsanwältin prüfen, ob man die Flüchtlinge mit juristischen Mittel herausholen kann. |