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Bericht: Tagesausflug Halberstadt
26.8.2004
Der Konvoi verlies Hannover gegen 10 Uhr und kam im Lager Halberstadt ungefähr um 1 Uhr an. Ungefähr 70 Flüchtlinge aus dem Lager begrüßten uns vor dem Lager. Obwohl eine Polizeiwanne ungefähr 50 m vom Haupteingang entfernt stand, war das Tor selbst nicht bewacht. Nach einer kurzen Besprechung mit den Flüchtlingen aus dem Lager nutzten die DemonstrantInnen den Vorteil, dass eine Seitentür nicht geschlossen war, und spazierten frech ins Lager. Im Lager gibt es drei Abteilungen: das Abschiebungs-oder sogenanntes Ausreisezentrum, das Erstaufnahmezentrum und das Heim für Asylbewerber. Sobald wir im Lager waren, multiplizierte sich die Anzahl der Polizeiwannen in Sekundenschnelle und viele Polizisten füllten das Gelände und provozierten die DemonstrantInnen wie üblich. Die DemonstrantInnen waren erfolgreich dabei einen Rundgang durch das Lager zu machen und dabei Protestslogans und Parolen für die Schließung des Lagers zu rufen. Ein Flüchtling der im Abschiebungslager wohnt, erzählt: Die Verlängerung des Aufenthalts findet täglich statt und ist normalerweise für einen Tag bis maximal eine Woche gültig. Die BewohnerInnen bekommen weder Bargeld oder Gutscheine, noch ist ihnen erlaubt irgendeine Art von Sozialarbeit im Lager zu verrichten. Sie bekommen gebrauchte Kleidung von der Kirche oder vom Roten Kreuz; Sehr häufig ist diese sehr alt. Gekochtes Essen wird ihnen im Lager zur Verfügung gestellt: jeden Tag das gleiche: Reis tagein und tagaus, das ganze Jahr lang. Wenn sie in die Stadt wollen, müssen sie zu Fuß gehen, da sie kein Geld haben. Ungefähr um 13.45 Uhr kam der Konvoi im Stadtzentrum von Halberstadt an, begleitet von ca. 50 Flüchtlingen aus dem Lager. Es fand eine sehr kraftvolle Demonstration rund um das Stadtzentrum statt, begleitet von Sprechchören, die den Stop der inhumanen Behandlung der Flüchtlinge in Lagern, die Schliessung dieser Lager sowie die Beachtung des Asylrechtes in Deutschland forderten..
Die Demonstration hielt an der Ausländerbehörde an und sandte (durch die Polizei) präzise Botschaften an den dt. Innenminister, Otto Schilly, Rassismus zu stoppen. Sein Vorschlag, Lager in Nordafrika zu errichten, ist rassistisch. Diese Lager werden nicht gebaut werden, und die bereits bestehenden Lager in Deutschland müssen geschlossen werden. Dies war die Position der Flüchtlingsinitiative Brandenburg, gerichtet an die Bevölkerung von Halberstadt, sich zu erheben und gegen die rassistische und inhumane Situation der Flüchtlinge in ihrer Stadt zu kämpfen. Diese Situation ist ein Fluch, der auf der Stadt lastet. Durch die bundesweite Mobilisierung für die Anti Lager Tour waren die Flüchtlinge in Halberstadt motiviert, für ihre Freiheit zu kämpfen. Sie sind überzeugt, dass sie Freiheit nicht geschenkt bekommen und bereit ihren Kampf fortzusetzen. Ungefähr um 21.30 Uhr begleitete der Konvoi die Flüchtlinge zurück ins Lager, einige von ihnen entschieden sich die Fahrt mit der Anti Lager Tour zu den nächsten Stationen fortzusetzen. Die meisten Teilnehmer der Demo waren beeindruckt, wie erfolgreich ein guter Kontakt zu den Menschen im Lager aufgebaut werden konnte. Dies ist eines der wichtigsten Ziele der Anti Lager Action Tour- gegen die Isolation in den Lagern zu kämpfen. Die Tour war gegen 11.00 Uhr zurück in Hannover.
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